Appalachian TrailTagebuch

Shenandoah Nationalpark

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Shenandoah ist ein 1935 eingerichteter Nationalpark in Virginia. Er bietet viele schöne Aussichtspunkte und eine reiche Flora und Fauna. Seine große Beliebtheit erklärt sich aber vermutlich auch durch seine besondere Autofreundlichkeit.

Skylanddrive

Nachdem ich in Virginia Beach einige Tage die Füße hochgelegt habe, ging es für Kay und mich zurück in die Nähe des Appalachian Trail. Unsere Wahl viel dabei auf den beliebten Shenandoah Nationalpark, der unweit von Washington DC liegt, da dies als nächstes auf unserer Liste stand.

Der Park beginnt nördlich von Waynesboro und schlängelt sich dann über einen relativ schmalen Korridor der Appalachen bis nach Front Royal. So stellt es sich jedenfalls für jemanden dar, der die letzten Monate konsequent nach Norden gelaufen ist. Die Parkverwaltung sieht den Start jedoch in Front Royal.

Woran man das festmachen kann? Am sogenannten Skylanddrive. Diese Straße bildet das Herzstück des Parks und macht ihn der kompletten Länge nach auf ca. 170 km erfahrbar. Jeder Aussichtspunkt wird dabei mit einer Meilenangabe des Skylanddrive angegeben. Und diese Meilen werden vom Ausgangspunkt im Norden aus berechnet.

Wir sind jedoch im Süden in den Park eingefahren und haben die Meilen daher also rückwärts rechnen müssen. Beim Eintritt sind für unseren Mietwagen übrigens 20 Euro Gebühr angefallen. Diese Zahlung berechtigt dann zu unbegrenzten Einfahrten in den Park innerhalb von 7 Tagen.

Mit maximal 35 Meilen pro Stunde geht es dann über eine perfekt ausgebaute Straße von einem Aussichtspunkt (Overlook) zum nächsten. Das ist natürlich ziemlich bequem und zum Teil steigen die Insassen nicht mal aus dem Auto um den Ausblick zu genießen.

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Kay und ich wollten dagegen natürlich mehr vom Park sehen und haben daher wieder die Wanderschuhe geschnürt und eine Rundtour über ca. 10 Kilometer gemacht. Erfreuliche Tagesausbeute: Drei wirklich sehenswerte Wasserfälle und zwei Bären am Wegesrand. Beide Attraktionen gibt es im Park übrigens wirklich reichlich. Sogar am Straßenrand tauchen die Bären häufig auf.

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Lower Doyle Falls
Lower Doyle Falls
Upper Doyle Falls
Upper Doyle Falls
Bär im Busch
Bär im Busch

Die anschließende Nacht haben wir dann auf einem der drei offiziellen Campingplätze im Park verbracht. Für 15 bzw. 20 Euro bekommt man hier einen Platz für bis zu zwei Zelte. Und obwohl speziell der Loft Campground relativ groß ist, sind die einzelnen Parzellen hier trotzdem sehr naturnah und angenehm. In der Nähe der Campgrounds befindet sich auch jeweils eine Wayside am Skylanddrive. Dabei handelt es sich um kleine Restaurants und Souvenirläden, die besonders für ihre leckeren Blackberry Milkshakes bekannt sind.

Zwischenfazit: Für Autofahrer eine schnelle Möglichkeit um ganz bequem in die gezähmte Natur zu kommen.

Sonnenuntergang von einem Overlook aus
Sonnenuntergang von einem Overlook aus

Aquablazing

Nach diesem ersten Eindruck des Parks wollten wir nun die Wanderstöcke gegen Paddel eintauschen. Westlich des Parks verläuft nämlich der Shenandoah River.

Spätestens kurz vor Waynesboro bricht unter den Wanderern des Appalachian Trail die Diskussion um das Aquablazing aus. So wird nämlich die Kanu- bzw. Kajakfahrt auf dem Fluss genannt, die vielen als willkommene Alternative zur Wanderung durch den Park gilt. Denn von Waynesboro kann man mit der Strömung bis Front Royal oder sogar Harpers Ferry treiben, ohne sich großen Strapazen auszusetzen.

Natürlich gibt es auch ein ungelösten Für und Wider darum, ob es denn noch als echte Durchwanderung gilt. Mir konnte das an dieser Stelle natürlich egal sein.

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Kay und ich haben uns für eine kurze zweitägige Tour über 24 Meilen mit downrivercomoany entschieden. Der Reiz des relativ hochpreisigen Angebots besteht nämlich darin, dass wir das Auto mit allem Hab und Gut auf deren hauseigenen Campground am Fluss stehe lassen konnten. Dort wurden wir aufgesammelt, zum Startpunkt gebracht und zum Schluss auch wieder zum Campingplatz gefahren. Ein Rundumsorglospaket also.

 

Ein Problem gab es jedoch, denn durch den intensiven Regen der vorhergehenden Wochen war der Fluss extrem angestiegen und die Stromschnellen daher ungewöhnlich heftig. Da wir weitestgehend ungeübte Landratten sind, hat uns das Unternehmen daher Kanu und Kajak untersagt und stattdessen ein großes Raft vermietet. Bei dem war das Risiko des Kenterns quasi Null, dafür fährt es deutlich langsamer.

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Trotz der geringeren Geschwindigkeit sind wir jeweils nur rund 5 Stunden mit der Strömung gepaddelt, bis wir das Tagesziel erreicht hatten.

Der Fluss war dabei leider etwas weniger ansehnlich als erwartet. Braun und sehr breit kam er daher, was natürlich am Hochwasser gelegen haben mag. Schwimmen konnte man darin trotzdem. Etwas weniger erbaulich war dagegen die Warnung, dass man Fisch aus dem Shenandoah River max.  Ein mal die Woche essen soll, wegen erhöhtem Quecksilber.

Es gab natürlich auch ganz tolle Erfahrungen. Wir haben viele Schildkröten gesehen, springende Fische und auch zwei Bären am Ufer – einer davon direkt am Campingplatz. Besonders hervorzuheben ist aber die Vogelwelt. Fast permanent wurden wir von Reihern begleitet und haben sogar einen Weißkopfseadler zu Gesicht bekommen.

Zwischendurch gab es dazu noch interessante, aber anfängerfreubdliche Stromschnellen (Kat. II), hübsche Klippen und kleine Passagen durch abwechslungsreiche Inselgruppen.

Zwischenfazit: Für zwei Tage hatte ich viel Spaß auf dem Fluss und ich kann verstehen, dass es für AT-Wanderer sehr attraktiv ist. Ich vermute aber, dass es in Virginia noch hübschere Flüsse gibt.

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Appalachian Trail

Nach unserer Paddelei haben wir Ryan in Waynesboro aufgegabelt und ein super Wochenende bei seiner Schwester in Washington DC verbracht. Von hier ging es für Kay zurück nach good old Germany.

Für mich ging es stattdessen mit Ryan zurück auf den Appalachian Trail um Shenandoah noch mehr zu erwandern.

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Beim Eintritt in den Park muss man ein Formular ausfüllen (Backcountry Permit). Dies erlaubt einem abseits der offiziellen Campgrounds des Parks zu nächtigen und ist kostenlos.

Der Weg ist nicht all zu schwierig und ist vor allem durch die reiche Tierwelt interessant. Rehe, Schlangen und Bären sind quasi an der Tagesordnung. Der Weg hat aus meiner Sicht hier aber auch ein Problem: den Skylanddrive.

Wie oben bereits erwähnt führt diese Straße durch den gesamten Park. Und so ist man auf den ca. 100 Meilen AT auch die weit weg davon. Genauer kreuzt man ihn sogar mehr als 40 (!) mal und hat ihn häufig im Blick oder im Ohr. Die meisten Aussichten erhält man daher mit den Autofahrern gemeinsam von den Overlooks.

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Im Nachgang habe ich auch erfahren warum das so ist. Der Skylanddrive wurde einfach auf dem ursprünglichen Appalachian Trail gebaut und der AT musste auf die Ränder ausweichen. Um die schönen Aussichten dann noch verbinden zu können schlängelt er sich konstant um die Straße.

Viele werden den dadurch entstandenen einfachen Zugriff auf Snacks bei den Waysides und Duschen etc. schätzen. Für mich hat es sich aber weniger gut angefühlt, als der Rest des Appalachian Trail, den ich erlebt habe.

Fazit: Trotz der vielen Bärensichtungen schafft es der Nationalpark so nicht in meine Highlights des Appalachian Trail. Mit dem Auto ist er dagegen absolut einen Besuch wert.

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Christian
Ich bin ein 1983 geborener Hamburger und habe erst vor wenigen Jahren meine Leidenschaft für das Wandern entdeckt - besonders fürs Fernwandern. Seither genieße ich regelmäßig das Gefühl absoluter Freiheit, wenn ich mit dem Zelt auf dem Rücken loslaufe und tagelang in eine Himmelsrichtung marschiere.

2 Comments

  1. Moin moin Christian!
    Ein sehr interessanter Bericht/Video von dem Shenandoah Nationalpark, mit einer sehr abwechselungsreichen Landschaft. Weiterhin viel Spaß und viele Grüße an Nike.

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