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Stubaier Höhenweg – Wandern über den Wolken

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Stubaier Höhenweg

Der Stubaier Höhenweg führt rund 70 km durch die Alpen in Österreich. Wer die hohe Schwierigkeit meistert, wird mit einem abwechslungsreichen Weg und fabelhaften Aussichten belohnt.

Das Stubaital in Tirol ist ganzjährig ein Touristenmagnet und Hotspot für Outdoorsportler. Skifahrer, Paragleiter, Mountainbiker und natürlich auch Wanderer finden hier beste Bedingungen und fallen über Innsbruck in das langgezogene Tal ein. Der Stubaier Höhenweg entzieht sich diesem Trubel und umrundet das Tal in der luftigen Höhe der umliegenden Bergwelten. Die Runde kann dabei in beide Richtungen gelaufen werden. Die Verteilung schien mir dabei in etwa gleich. Auffällig war jedoch, dass besonders Niederländer mit dem Uhrzeiger gelaufen sind, während die meisten deutschsprachigen Wanderer ihnen entgegen liefen.

Auch meine Wanderung habe ich gegen den Uhrzeiger absolviert. Startpunkt war für mich deshalb die wunderschön gelegenen Starkenburger Hütte (siehe Titelbild). Um hierhin zu gelangen habe ich es mir einfach gemacht und bin vom Örtchen Fulpmes mit dem Lift (Schlick 2000) zum Kreuzjoch gefahren. Von dort bis zur Hütte ist es nur eine gute Stunde über einfaches Terrain zu wandern.

Am nächsten Morgen ging es dann so richtig los mit dem Stubaier Höhenweg. Und zunächst möchte ich mal klarmachen, worauf man sich hier einläßt.

Schwierigkeit

Der Stubaier Höhenweg ist ein Wanderweg der schwarzen Kategorie. Was bedeutet das? Der Alpenverein definiert das wie folgt:

Schwere Bergwege sind schmal, oft steil angelegt und absturzgefährlich. Es kommen zudem gehäuft versicherte Gehpassagen und/oder einfache Kletterstellen vor, die den Gebrauch der Hände erfordern. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind unbedingt erforderlich.

IMG_20160817_131903Und diese Hinweise sind an dieser Stelle absolut frei von Übertreibung. Generell gilt, dass der Weg meistens schmal ist und es direkt daneben zum Teil hunderte Meter in den Abgrund geht. Außerdem kommt es mehrmals täglich zu Passagen, die mit Wandern im Sinne vom „weiten Gehen“ nichts mehr zu tun haben. Stattdessen muss hochkonzentriert den Fels hinauf, hinab oder entlang „geklettert“ werden. In diesen Fällen muss man also die Hände zur Hilfe nehmen, um sich festzuhalten. Man muss sich jedoch nie mit seinen Armen hochziehen oder ähnliches. Außerdem sind diese Stellen immer vorbildlich versichert. Das meint, dass Stahlseile und Tritt- bzw. Haltehilfen in den Stein geschlagen sind. Sofern man von diesen Hilfen Gebrauch macht und seine Schritte ruhig und bewusst setzt, kann man sich dabei also durchaus sicher fühlen.

Eine gewisse Gefahr läßt sich allerdings nicht wegdiskutieren. Es sollte daher nicht verschwiegen werden, dass es leider auch gelegentlich zu tragischen Unfällen kommt. So geschehen zum Beispiel gestern (16.08.2016):

AbsturzBeschaffenheit

Die Wanderroute verläuft konstant zwischen 2.000 und 3.000 Metern Höhe. Das Gelände ist entsprechend alpin und die Aussichten sind gigantisch. Speziell am ersten Tag traversiert man stundenlang die dem Tal zugewandten Berghänge und blickt auf das Stubaital hinab. Im weiteren Verlauf muss dann aber auch immer mal wieder ein Kamm oder eine Bergspitze überschritten werden. Im Ergebnis absolviert man deshalb auf einer Länge von gut 70 Kilometern insgesamt ca. 5.500 Meter Aufstieg.

Der Stubaier Höhenweg geht durch bewieste Hänge voller Bergblumen, über Schotter und häufig über Stein bzw. Felsen. Diese Steinfelder erfordern große Schritte und sind eine große Belastung für die Beine. Bei Nässe werden die Felsen außerdem gerne rutschig und es ist besondere Aufmerksamkeit gefragt.

IMG_20160817_134110Der Weg zur nächsten Hütte ist dabei stets gut ausgeschildert bzw. markiert. Die Markierung des Stubaier Höhenwegs ist dabei nicht speziell, sondern entspricht dem Standard rot/weiß.

An manchen Tagen bieten sich für die Route zwei Optionen mit unterschiedlichen Schwierigkeiten, die abhängig von der Wetterlage und dem eigenen Wohlbefinden gewählt werden können. Die Hüttenwirte sind hier am Morgen immer eine gute Entscheidungshilfe.

Infrastruktur

Das Hüttennetz ist sehr dicht und es bieten sich insgesamt acht Hütten zur Übernachtung an. Eine genaue Auflistung dieser Hütten und eine Übersicht der Route bietet die Website des Tourismusverbands. Der Höhenwegfolder fasst das ganze praktisch zusammen und ist aus meiner Sicht als Beschreibung für die Wanderung vollständig ausreichend. Wer allerdings noch Gipfel in der Nähe einbauen möchte, dem sei der Trekkingguide ans Herz gelegt und natürlich eine passende Karte.

Ich wollte meine erste Tour in den Alpen in Ruhe genießen und habe daher in jeder Hütte übernachtet. Das hatte jedoch zur Folge, dass zum Teil schon nach wenigen Stunden mein Ziel erreicht war. Üblicher Weise wird daher die Sulzenau Hütte übersprungen. Die typische Dauer der Wanderung beträgt dann insgesamt 8 Tage. Allerdings kann man von fast jeder Hütte (einzige Ausnahme Bremer Hütte) wieder ins Stubaital absteigen. Die Tour läßt sich in der Länge also beliebig gestalten.

IMG_20160817_134656Auf den Hütten gibt es gute Verpflegung und Münzduschen. Bei schlechtem Wetter unendlich wertvoll sind zudem die Trockenräume, durch die die Ausrüstung am nächsten Morgen wieder trocken ist. Man sitzt in den Gasträumen gemütlich beieinander, wer mag spielt Gesellschaftsspiele und auch als einzelner Wanderer war es mir so nie langweilig.

Dieser Luxus in den Bergen ist natürlich nicht umsonst und mit allem drum und dran habe ich pro Tag im Durchschnitt knapp 50 Euro auf den Hütten gelassen. Viele Menschen werden hier aber eher mit weniger auskommen. Wichtige Voraussetzung dafür ist allerdings die Mitgliedschaft in einem Alpenverein (sogar in Hamburg haben wir einen!). Für Nicht-Mitglieder ist das Hüttenleben spürbar teurer.

Fazit

Der Stubaier Höhenweg ist eine Wucht! Der Weg ist durchaus anspruchsvoll, aber optimal in Stand gehalten und gesichert. Ambitionierte Wanderer können so die prachtvollen Alpen in vollen Zügen genießen.

 

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Christian
Ich bin ein 1983 geborener Hamburger und habe erst vor wenigen Jahren meine Leidenschaft für das Wandern entdeckt - besonders fürs Fernwandern. Seither genieße ich regelmäßig das Gefühl absoluter Freiheit, wenn ich mit dem Zelt auf dem Rücken loslaufe und tagelang in eine Himmelsrichtung marschiere.

1 Comment

  1. Gut beschrieben Christian. Ich habe etwas ähnliches im Kaisergebirge gemacht, allerdings ist es dort nicht so hoch wie in den Stubaier Alpen. Ein Bonus für ältere Alpenvereinsmitglieder: Man kann die Hütte vorher reservieren und oft bekommt man sogar ein Bett anstelle des Matratzenlagers.

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